Wenn der Wirt grad Hirt isch…

IMG_1859

 

 

 

 

 

 

…morgendliche Dokumentation eines Hirtenbuben:

“Die Sonne schiebt sich gerade über den Rand des Kandelgipfels. In den ersten Sonnenstrahlen drängeln sich gut 50 schwarzgefleckte und braun gewandete Rinder, ganz vorne Leitkuh „Zensi“, um den Hirten Andy. Auch wir, die Hirtenbuben Heiner und Frieder, werden mit einem freudigen Muhen begrüßt. Nun gilt es, alle “Mädels”,  wie sie liebevoll von Andy genannt werden, abzuzählen. Sind noch alle da? Auch muss genau hingeschaut werden – sind noch alle gesund, geht es allen gut? Das können wir heute bejahen und treiben dann gemeinsam die Kühe auf eine neue Weide – was jedoch nicht allzuschwer ist, da sich alle über neues saftiges Gras freuen. Für die taubenetzten Gräser und farbenfrohen Bergblumen haben sie hingegen keinen Blick.

Das neue Abstecken der Koppeln auf den Bergmatten der Gemeinschaftsweide ist mittlerweile eine Routinearbeit des Herders geworden, der immer mit breitem Lächeln im Gesicht hin und herwechselt zwischen Wirtsküche, Werkstatt und Weide.

Für Aufregung sorgt jedoch öfters mal das zeitaufwendige und mühsame Zusammentreiben der Herde, wenn diese eine Lücke im Zaun ausfindig gemacht hat und sich in die nahen Buchenwälder verflüchtigt. Sehr beliebt bei den vierbeinigen Damen als abwechlungsreicher Sonntagsspaziergang;-).

Früher half hier das die Bergeinsamkeit durchdringende „Chlöpfen“ der Geißel, die die Kühe davon abhielt, die angrenzenden, vermeintlich mit schmackhafteren Kräutern bestandenen Nachbarwiesen zu besuchen. Heute hört man stattdessen des Herders geländetaugliches Motorrad, das auch die heranwachsenden buntgescheckten Damen schon gut kennen.

Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten auf den Weidfeldern geändert, so gehört auch das zeitaufwendige Melken der Kühe nicht mehr zum Tagwerk des Hirten, das vielen Besuchern und Wanderern leicht antiquiert erscheinende Ausmähen der Gräser und Sträucher mit dem „Säsli“ unter dem Weidezaun hat sich jedoch als praktikabelste Methode auf dem Berg erhalten.

Jedes Jahr werden im Mai ingesamt ca. 80 – 90 Stück weibliches Jungvieh der Weidegenossenschaft Gummenbauern auf die Hochweiden des Kandelmassivs getrieben, die seit Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts zum Landschaftsbild unter den ehrwürdigen Weidbuchen am Südhang des Kandels gehören. Es bietet sich dem Betrachter ein herrliches Bild, wenn die schön geschmückten Kühe im Spätherbst beim Almabtrieb ins Tal ziehen, begleitet vom weithin hallenden friedlichen Glockenklang.”